Hirtenbrief #2

Stallbau nimmt Form an - Entscheidung fällt für Merino-Landschafe - Abschied von Mungo

Liebe Freundinnen und Freunde der Ruhrschäferei!

In diesem Rundbrief will ich euch mitteilen, wie inzwischen der Stand der Ruhrschäferei ist und wie es weitergeht:

Stallbau

Die erforderliche Befreiung von der Baugenehmigung durch die Stadt Oberhausen ist vor einiger Zeit erfolgt. Inzwischen liegt mir das auch schriftlich vor. Zur Zeit werden noch einmal zusammen mit einem Architekten ein paar Details der Stallkonstruktion geklärt, immerhin einem knapp vier Meter hohen Gebäude auf 65 qm. Sobald das abgeschlossen ist, wird der Bau beginnen. Voraussichtlich wird das Ende Oktober sein, ein für die Ruhrschäferei quasi grundlegendes Ereignis. Erste praktische Vorbereitungen haben bereits begonnen: Die Stallfläche ist gerodet worden. Der frühere Zugang durch einen Erdwall ist geschlossen; ein neuer Zugang ist mit einem Schlagbaum gegen unerwünschte Müllkipper und sonstige Zeitgenossen mit unlauteren Absichten gesichert worden.

Merino-Landschafe

Inzwischen steht auch fest, aus welcher Schafrasse die Herde bestehen wird: Es werden Merino-Landschafe sein. Das sind Schafe, die im 19. Jahrhundert aus einer Kreuzung von spanischen Merino-Wollschafen und deutschen Landrassen hervorgegangen sind. Durch die verschiedenen eingekreuzten Landrassen sind sie widerstandsfähig gegen Wind und Wetter. Es sind Schafe, die mit Wanderschäfern das ganze Jahr, im Sommer und im Winter, manchmal über Hunderte von Kilometern zogen und im Pferch übernachteten. D.h., sie sind marschfähig und kommen mit unterschiedlichem Gelände zurecht, was nicht bei allen Schafen der Fall ist.

Für uns haben sie eine weitere positive Eigenschaft: Sie fressen ein für Gärtner, Förster und vor allem Naturschützer seit längerer Zeit umgehendes botanisches Schreckgespenst, das ökologisch meist unerwünschte, aber äußerst durchsetzungsfähige Land-Reitgras, das bis zu 150 Zentimetern groß werden kann. Durch vermehrten Stickstoffeintrag aus der Luft breitet es sich in ganz Deutschland aus. Es kann u.A. die Regeneration von Waldflächen behindern, insbesondere aber bedroht es seltene Arten auf Magerrasenflächen, die durch dieses äußerst robuste Süßgras verdrängt werden. Das Problem: Viele Schafe fressen dieses Gras nicht. Das Merino-Landschaf gehört dagegen zu den Rassen, die es mögen und deswegen zur Biotoppflege besonders geeignet sind. Eine weitere Eigenschaft der Merino–Landschafe ist, dass sie nicht nur zu einer bestimmten Jahreszeit, sondern das ganze Jahr über Lämmer bekommen. Sie sind „asaisonal“. D. h. es wird in der Herde nicht nur Osterlämmer, sondern auch Pfingst- und Weihnachtslämmer geben.

Die Herde wird – wie bei dieser Rasse üblich, die ja mit Wanderschäfern umherzog – das ganze Jahr draußen sein. Der Stall dient nur dazu, kranke Tiere vorübergehend unterzubringen sowie neugeborene Lämmer zusammen mit ihren Müttern für kurze Zeit einzubuchten. Dieser Begriff kommt nicht, wie man vermuten könnte aus dem Knast, sondern aus der Schafzucht und bedeutet, dass Mutter und Kind für zwei, drei Tage in einer engen Box zusammen untergestellt werden, damit sie sich über Stimme und Geruch jederzeit in der Herde wiederfinden. Die Überlebenschancen der Lämmer werden dadurch verbessert. Das Gegenteil also von dem, was heute in der Rinderzucht üblich ist, wo die Kälber sofort nach der Geburt von den Müttern getrennt werden; oder gar zur industriellen Ziegenhaltung in Holland, wo die Böckchen zum Schlachten nach Südeuropa transportiert werden, weil es hier keinen Absatzmarkt für sie gibt und sich die Aufzucht nicht lohnt.

Das Logo

Wie ihr gesehen habt, ist das Logo der Ruhrschäferei fertig: Das Schaf unter dem Zechenturm (Danke, Heiko Bugaj!). Mir und vielen anderen, die sich dazu geäußert haben, gefällt es ausgesprochen gut. Es mag zwar sein, dass es auch den einen oder anderen gibt, der meint: „Zechenturm? Das ist doch Nostalgie, altes Ruhrgebiet.“ Aber ich glaube, bis es in der Region nur noch Finanzdienstleister, Designer und andere Kreative gibt, wird es noch etwas dauern. Bis dahin und auch dann sollten wir nicht vergessen, wo wir herkommen und das ist nun mal die Montanindustrie. Die Bayern haben ja auch bei Einführung des Laptops weder die Lederhose noch das Dirndl ausrangiert. Wer Zechenturm, Schlägel und Eisen entsorgt, landet zur Strafe beim Oktoberfest. Und das kann doch wirklich keiner wollen, oder?

Wie geht es weiter?

Ich habe in den letzten Wochen nach einem einheitlichen Merinobestand von ca. 70 Schafen gesucht. Um keine Krankheiten in die Herde einzuschleppen, ist es ratsam, möglichst nicht Einzelschafe aus unterschiedlichen Beständen zu nehmen. Seit ein paar Tagen habe ich nun erfreulicherweise einen Züchter aus der Region gefunden, der mir im Laufe des Winters die gewünschte Zahl von Tieren liefern kann. Dass er aus der Nähe von Duisburg kommt, erspart mir und den Tieren weite Transportwege. Anfang November werden die ersten Tiere hier sein; einen Begrüßungstermin werde ich dann auf ruhrschaeferei.de veröffentlichen.

Mungo

Für mich gab es in der letzten Woche leider noch eine sehr traurige Nachricht: mein Hütehund Mungo (der schwarze Rüde auf dem Foto) ist plötzlich sehr schwer erkrankt und wird wohl nicht mehr lange leben. Er war bei mir, seit er ein Welpe war, ich habe ihn ausgebildet, er hat mich begleitet und es wird für die anderen Hunde nicht leicht sein, seine Rolle zu übernehmen. Ich hoffe sehr, dass er es noch erlebt, wenn die ersten Schafe kommen. Die Lehrlinge bei den Hütehunden, Zora und Minou, werden nun früher als geplant an der Herde arbeiten müssen. Angeleitet werden sie dabei von mir und von Troll, einem schon zwölf Jahre alten Schafpudel, ein immer noch sehr hochtouriger und impulsiver Veteran, der zeitweise in der Senne alleine 1.000 Heidschnucken gehütet hat und trotz seines Alters den Jungen noch zeigt, wo es lang geht. Er gerät wie eh und je außer Rand und Band, wenn er eine Schafherde sieht. Die Schäfer sagen dann: Er hat das Schaffieber in den Augen.

Ein anderer Schäferspruch sagt: Drei Jahre junger Hund. Drei Jahre guter Hund. Drei Jahre alter Hund. Das heißt nicht, dass viele Hunde nicht auch durchaus älter werden, vor allem aber heißt es: Die Ausbildung dauert lange und man muss früh damit anfangen. Deswegen habe ich seit drei Tagen von einem Schäfer aus Hessen eine zwölf Wochen alte Hündin, die trotz ihres zarten Alters schon ziemlich lange Beine hat. Sie heißt Ayla und gehört auch zu den Altdeutschen Hütehunden. Genauer gesagt ist sie eine typische Süddeutsche Schwarze, die ein gelasseneres Gemüt als Troll hat und wie es aussieht wohl deutlich größer werden wird als er. Sie folgt mir auf Schritt und Tritt ist, lässt sich von Ach-ist-die-süß-Attacken wenig beeindrucken und blickt mit aufmerksamen, aber durchaus eigenwilligen Augen in die Welt. Ich bin sehr gespannt, wie sie sich an der Herde entwickeln wird.

Mit dem Wunsch nach einem freundlichen Herbst für uns alle und herzlichen Grüßen an die Freunde und Freundinnen der Ruhrschäferei!

Florian Preis

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Aktualisiert: 05.12.2016 22:31:22