Flächen

Mit Duisburg befindet sich im westlichen Metropolraum Ruhr eine Stadt, in der sich nicht nur Europas größter Binnenhafen, sondern auch der größte Stahlstandort des Kontinents befindet. Für manchen mag es ungewohnt sein, das Bild, das er sich von dieser Region macht, mit Schafherden zu verbinden. Aber wer diese Landschaft kennt, mit den drei Flüssen Ruhr, Rhein und Emscher, sowie dem Rhein-Herne-Kanal, weiß um die zahlreichen Brachen, Grünzüge, Äcker, Wiesen und grünen Inseln sowie die kilometerlangen Deichanlagen der Region.

Die Ruhrschäferei beweidet solche Flächen in mehreren Städten des westlichen Ruhrgebiets. Dazu gehören sowohl Flächen der im vielfältigen Nutzungspatchwork des Reviers nie verschwundenen Landwirtschaft, als auch wieder freigewordene Flächen sowie Haldenbegrünungsprojekte des im Strukturwandel untergegangenen Königreichs der Montanindustrie.

Unsere Herde wandert zur Zeit über etwa 150 Hektar unterschiedlich bewachsener Flächen, die sich vom linksrheinischen Ufer Duisburgs bis zum südlichen Rand der Hohen Mark erstrecken. Zu diesen Flächen gehören unter Schutz stehende Obstwiesen mit Apfel- , Birnen- und Walnussbäumen, Hochwasserdeiche, die die durch Bergsenkungen gefährdete Emscherzone schützen, begrünte Halden, die im Rahmen des Landmarkenkonzepts als Aussichtsfläche über die Landschaft des Ruhrgebiets offen gehalten werden sollen und ehemalige Heideflächen, auf denen die Verbuschung zugunsten einer artenreicheren Vegetation zurückgedrängt werden soll. Außerdem gehört dazu eine ehemalige Industriebrache, die lange als Lagerplatz für die nationale Kohlenreserve diente und auf der sich seit zwei Jahrzehnten eine spezifische Wildpflanzengemeinschaft entwickelt hat, die am Rande eines wechselfeuchten Bereichs zu einem Magerrasenbiotop weiterentwickelt werden soll.

Dazu kommen im Winter Beweidungsflächen, die der Ruhrschäferei von landwirtschaftlichen Betrieben zur Verbesserung der Grünlandqualität überlassen werden - Wiesen zwischen der demnächst vollständig renaturierten Emscher und den Wäldern des Rotbachtals.

Kein Bio - aber artgerecht und naturnah

In der industrialisierten Landwirtschaft gibt es für meisten Tiere nur noch ein räumlich beengtes Leben im Stall.

In der Ruhrschäferei ist Weidegang selbstverständlich. Die Tiere haben ausgiebige Bewegungsmöglichkeiten auf wechselnden Flächen unter freiem Himmel. In der Herde geborenen Tieren werden weder die Schwänze kupiert noch werden die Böcke kastriert. Es gibt keine präventive Gabe von Antibiotika. Die Lämmer werden nicht wie bei milcherzeugenden Betrieben von den Müttern getrennt. Es gibt keinen, z. T. mehrfachen Wechsel zwischen Aufzucht- und Maststationen, der für die Tiere mit sozialem Stress verbunden ist. Die Tiere bleiben in der Herde, in der sie geboren sind. Lediglich die Böcke kommen mit Erreichen der Geschlechtsreife in eine eigene Bockherde, da es sonst zu einer Beinträchtigung der Herdengesundheit durch Inzucht käme. Um die Kontrolle über Haltungs- und Schlachtbedingungen der Tiere zu behalten, gibt es in der Ruhrschäferei keinen Lebendverkauf von Schafen. Die Schlachtung erfolgt nach kurzen Wegen zu kleinen stressarmen regionalen Schlachtereien.

Den größten Teil des Jahres verbringen die Tiere auf Flächen, die weder mit mineralischer Düngung noch mit chemischen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Dazu gehören geschützte. Obstwiesen oder Flächen, die als landwirtschaftlich nicht nutzbare Brachflächen noch nie behandelt wurden.

Warum ist die Ruhrschäferei dann kein Biobetrieb?

In den Wintermonaten ist die Herde auch auf Grünlandflächen konventioneller Landwirtschaft angewiesen. Auch das Zusatzfutter Heu und Silage stammt zwar von Höfen aus der unmittelbaren Nähe, die aber keine Biobetriebe sind. Deswegen ist eine Zertifizierung der Ruhrschäferei als Biobetrieb bisher nicht möglich. Dennoch realisiert der Betrieb wichtige Elemente einer nachhaltigen und artgerechten Tierhaltung in extensiver, naturgemäßer Weidehaltung.

Aktualisiert: 02.12.2016 18:27:26